Entwicklungen am heimischen Arbeitsmarkt
Die Dynamik der Berufsnachfrage auf dem österreichischen Arbeitsmarkt wird von mehreren strukturellen und konjunkturellen Faktoren bestimmt. Kurzfristig wirken sich wirtschaftliche Schwankungen unmittelbar auf die Berufsnachfrage aus, während langfristige Trends wie Digitalisierung und ökologische Transformation die Nachfrage nach Berufen und Kompetenzen grundlegend verändern. Insbesondere die fortschreitende Digitalisierung führt zu einer steigenden Nachfrage nach IKT-Kompetenzen quer über zahlreiche Berufsfelder hinweg, gerade die Nutzung von KI-Anwendungen gewinnt an Bedeutung. Parallel dazu entstehen im Zuge der grünen Transformation neue Tätigkeitsprofile, etwa im Bereich Energie, Umwelttechnologie und nachhaltige Produktion.
Nach dem pandemiebedingten Einbruch setzte 2021 eine Phase dynamischer Erholung auf dem Arbeitsmarkt ein, die 2022 in einem historischen Höchststand bei den Online-Stellenanzeigen gipfelte. Seither ist jedoch eine deutliche Abschwächung zu beobachten. Aktuelle Auswertungen zeigen, dass das Inseratenaufkommen im Jahr 2025 in allen Bundesländern deutlich unter dem Niveau von 2022 liegt. Diese Entwicklung ist primär auf die anhaltende konjunkturelle Schwäche zurückzuführen, die sich insbesondere in der Industrie, aber auch in investitionsabhängigen Bereichen dämpfend auf die Einstellungsdynamik auswirkt.
Trotz dieses Rückgangs besteht weiterhin in vielen Segmenten eine hohe Nachfrage nach Arbeitskräften. Dabei dominieren Tätigkeiten im Handel, in der Logistik, im Tourismus sowie im Bereich einfacher Dienstleistungen. Einzelhandelskaufleute, LagerarbeiterInnen, Hilfsarbeitskräfte sowie Gastronomieberufe zählen durchgängig zu den am häufigsten nachgefragten Berufen. Gleichzeitige werden weiterhin in qualifizierten Bereichen, etwa im Gesundheitswesen, in technischen Berufen sowie in der IT viele Beschäftigte gesucht. Der Arbeitsmarkt ist damit durch eine gleichzeitige Nachfrage nach niedrig-, mittel- und hochqualifizierten Tätigkeiten geprägt.
Ein weiterer zentraler Einflussfaktor ist der demografische Wandel. Die österreichische Bevölkerung altert, und das Erwerbspotenzial wird in den kommenden Jahren tendenziell zurückgehen. In mehreren Bundesländern ist der Höhepunkt der Erwerbsbevölkerung bereits erreicht (Statistik Austria 2025). Die schrittweise Anhebung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters für Frauen wirkt dem kurzfristig leicht entgegen, ändert jedoch nichts am langfristigen Trend. Damit verschärft sich der Wettbewerb um Arbeitskräfte strukturell.
In den vergangenen Jahrzehnten wurde das Arbeitskräfteangebot maßgeblich durch die steigende Erwerbsbeteiligung von Frauen ausgeweitet. Gleichzeitig bleibt ein erheblicher Anteil an Teilzeitbeschäftigung bestehen, was auf ungenutzte Potenziale hinweist. Deren Mobilisierung setzt jedoch entsprechende Rahmenbedingungen voraus, insbesondere den Ausbau von Kinderbetreuungs- und Pflegeinfrastruktur mit bedarfsgerechten Öffnungszeiten.
Die regionalen Unterschiede innerhalb Österreichs sind weiterhin ausgeprägt. Industriell geprägte Bundesländer wie Oberösterreich, Steiermark, Kärnten oder Vorarlberg weisen eine hohe Nachfrage nach technischen Fachkräften auf, sind jedoch gleichzeitig oft stärker von konjunkturellen Schwankungen betroffen. Tourismusregionen wie Tirol oder Salzburg zeigen eine hohe Nachfrage in dienstleistungsorientierten, oft saisonalen Berufen.
Hinzu kommen räumliche Disparitäten innerhalb der Bundesländer: Räume mit wachsender Bevölkerung wie Wien, Graz oder der Großraum Linz stehen peripheren Regionen mit rückläufiger Erwerbsbevölkerung gegenüber. Gleichzeitig bestehen starke Pendelverflechtungen, etwa zwischen Niederösterreich und Wien oder zwischen Vorarlberg und der Schweiz.