Arbeitsmarktentwicklung in Österreich
Der Einzel-, Groß- und Onlinehandel zählt zu den größten Beschäftigungsfeldern am österreichischen Arbeitsmarkt. Besonders stark nachgefragt werden Fachkräfte im Einzelhandel, vor allem Einzelhandelskaufleute sowie Lebensmittel- und FeinkostverkäuferInnen. Studien gehen davon aus, dass der Bedarf in diesen Kernberufen auch in den kommenden Jahren hoch bleibt (Dornmayr & Riepl 2024), auch wenn das aktuell angespannte Wirtschaftsumfeld die Beschäftigungsnachfrage bremst (Hölzl et al. 2025).
Gleichzeitig verändern demografische Entwicklungen und ein verändertes Konsumverhalten die Struktur des Handels deutlich. Der stationäre Handel steht in mehreren Segmenten unter Druck, insbesondere im Textil-, Schuh-, Elektro- sowie Papier- und Schreibwarenbereich. Seit Jahren verlagern sich Kaufentscheidungen zunehmend in den Onlinehandel, wodurch klassische Verkaufsflächen an Bedeutung verlieren. Auch Baumärkte verzeichnen aufgrund der schwächeren Baukonjunktur eine gedämpfte Entwicklung. Der Großhandel ist zusätzlich von der konjunkturellen Entwicklung in Industrie und Bauwesen abhängig.
Dennoch entstehen durch die wachsende Verknüpfung von Online- und Offline-Vertrieb in Nischen neue Beschäftigungsmöglichkeiten. Unternehmen, die digitale und stationäre Kanäle kombinieren, erschließen zusätzliche Kundengruppen und erweitern ihre Absatzwege – wobei diese Entwicklung im Lebensmittelbereich nur eine untergeordnete Rolle spielt. Technologische Innovationen, insbesondere KI-gestützte Analysesysteme zur Auswertung von Kaufverhalten und Lagerbeständen, verändern zudem interne Abläufe und Geschäftsmodelle (Wöhl & Ziegler 2023, Wegscheider-Protsch & Ziegler 2023).
Die Kompetenzanforderungen im Handel verschieben sich entsprechend. Im Einzelhandel gewinnt qualifizierte Kundenberatung an Bedeutung, ergänzt durch fundierte Produkt- und Materialkenntnisse. Digitale Kompetenzen, etwa im Umgang mit Kassensystemen, Onlineplattformen und Warenwirtschaftssoftware, werden im Fachhandel zunehmend vorausgesetzt. Im Großhandel stehen organisatorische Fähigkeiten, Rechnungswesen, Logistikkenntnisse und Verkaufskompetenz im Vordergrund.
Trends, Daten und Fakten zum Beruf "Einzelhandelskaufmann/-frau"
Berufsbeschreibung
Einzelhandelskaufleute sind in Einzelhandelsgeschäften für alles rund um das Sortiment zuständig: Sie beraten Kundinnen und Kunden, organisieren den Einkauf, die Lagerung und den Verkauf von Waren und erledigen die damit verbundenen Bürotätigkeiten. Im Einkauf ermitteln sie den Warenbedarf anhand der Kundennachfrage und des Lagerbestandes. Sie wählen und bestellen Waren aus Angeboten von Herstellerfirmen oder Großhändlern. Bei der Warenübernahme kontrollieren sie die Qualität der Ware und prüfen, ob die Bestellung und Lieferung übereinstimmen. Im Lager sorgen sie für die richtige Lagerung der gelieferten Waren. Bevor die Waren zum Verkauf angeboten werden, beschildern Einzelhandelskaufleute diese mit Preisen. Zur Warenpräsentation gestalten sie Regale und Schaufenster. Im Verkauf beraten sie Kundinnen und Kunden zum Einkauf und geben Auskünfte zu aktuellen Angeboten, dem Sortiment sowie den Preisen. Sie übernehmen kaufmännische Aufgaben wie Warenbestellung, Lagerverwaltung und Kassaabrechnung.
Trend
Die folgenden Grafiken zeigen, wie sich die Bedeutung des Berufs in den kommenden Jahren aus jetziger Sicht entwickeln wird, und wie groß die Bedeutung aktuell ist (gemessen als Anteil am gesamten Inseratenaufkommen aller Berufe in Österreich oder dem ausgewählten Bundesland). Die Bedeutung kann dabei in Zukunft zurückgehen (negativer Trend), gleichbleiben oder steigen (positiver Trend). Gleichzeitig wird auch die Anzahl der Inserate des Vorjahres dargestellt, welche zu den Anteilen korrespondieren.
WICHTIG: Für Berufe mit einem hohen Anteil (siehe Grafik: Anteil an allen Inseraten) bedeutet auch ein tendenziell negativer Trend oder ein gleichbleibendes Inserateaufkommen (siehe Grafik: 3-Jahres Trend) durchaus gute Jobaussichten.
Daten und Fakten
Die nachfolgenden Grafiken zeigen die Entwicklung des Inserateaufkommens in den vergangenen Jahren sowie nach Bundesländern und im Vergleich zu ähnlichen Berufen. Zudem werden auch Informationen zu den am Arbeitsmarkt nachgefragten Kompetenzen dargestellt: welche Kompetenzen werden in den Inseraten besonders häufig angegeben (durchschnittlicher Anteil der Jahre 2022 bis 2025 in %), beziehungsweise welche Kompetenzen haben am stärksten an Bedeutung gewonnen (Veränderung der Anteile im Jahresvergleich 2022/23 und 2024/25 in %-Punkten).
Kartenansicht
Diese Karte zeigt die regionale Verteilung der Arbeitskräftenachfrage nach Berufsuntergruppen.Datenquelle: Inserate aus dem Internet